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Der Historiker Michel Pastoureau (*1947) bekleidet seit 1982 den Lehrstuhl für mittelalterliche Symbolik an der Ecole Pratique des Hautes Etudes. Er lehrt schwerpunktmäßig Symbolgeschichte der europäischen Gesellschaften. Seit den 1980er Jahren konzentriert er sich in seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit vor allem auf die Geschichte der Farben. Daneben gilt sein Forschungsinteresse der Geschichte der Tiere, Bestiarien und Zoologie, vornehmlich des Mittelalters. Auf Deutsch sind bislang erschienen: Des Teufels Tuch. Eine Kulturgeschichte der Streifen und der gestreiften Stoffe (1995); Lexikon der Bibel und der Heiligen (mit Gaston Duchet-Suchaux, 2005).

Michel Pastoureau | Der Bär
Die Geschichte eines gestürzten Königs

384 Seiten, Leinen mit SU, farbiger Bildteil
Übersetzt aus dem Französischen von Sabine Çorlu
Warengruppe WG 1 559
€ 29,95
ISBN 978 3 9390 6209 7

„Eine Hymne auf den Bären … Der Bär ist … klar geschrieben und angenehm zu lesen … Und jeden, der für Tiere … Sympathien hegt, jeden, den das Mittelalter fasziniert, jeden, der sich für Legenden und Folklore interessiert und nicht zuletzt den Nostalgiker, bei dem der Plüschbär zärtliche Erinnerungen weckt, wird die Lektüre dieses Buches auf Pfade führen, wo Traum und Wirklichkeit ineinander fließen.“ (Jean Dominique Lajoux, La Quinzaine Littéraire)

„Nackt ziehen sie in die Schlacht, ohne Rüstung oder Brustpanzer, einfach nur angetan mit einem Bärenhemd und, rasend wie wilde Tiere, beißen sie in ihren Schild, vertilgen sie alles auf ihrem Weg, schlachten sie Mensch und Tier dahin; Eisen und Feuer vermögen nichts gegen sie, sie sind unbesiegbar.“ – Die ungemütlichen Zeitgenossen, von denen der Verfasser der Ynglinga Saga hier berichtet, sind die legendären Berserker, die sich vor dem Kampf in tranceartige Raserei hineinsteigern und sich mit dem Bären, dem verehrten König des Waldes, identifi zieren. Von ihnen ist in Pastoureaus Kulturgeschichte des Bären ebenso die Rede wie von Bärenkulten in den Jäger- und Sammlerkulturen des Paläolithikums, römischen Provinzstatthaltern, die um Bärenlieferungen für die Zirkusspiele bangen, und Kirchenvätern wie dem heiligen Augustinus, der den Bären kurzerhand zum Teufel erklärt.

Lange Zeit war in Europa nicht der Löwe, sondern der Bär König der Tiere, dem kultische Verehrung, Furcht und Bewunderung entgegengebracht wurde: Er galt in verschiedenen europäischen Kulturen als ein Mittler zwischen Diesseits und Jenseits, als Verwandter oder Ahnherr des Menschen. Unter den germanischen und skandinavischen Völkern nahm der Bär eine herausragende Stellung im symbolischen Bestiarium der Krieger und Fürsten ein und erwies sich als ernstzunehmender Rivale des christlichen Erlösers. Grund genug für die Missionare und Theologen, einen physischen wie symbolischen Vernichtungsfeldzug gegen ihn zu initiieren. Mehr als tausend Jahre lang wurde er verfolgt, dämonisiert und herabgesetzt, bis die tief verwurzelten Vorstellungen von seiner Würde und Unbesiegbarkeit dem Bild eines lasterhaften und satanischen Tieres, später dem einer tölpelhaften und törichten Kreatur gewichen waren.

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